ANMERKUNG: Trotz seiner bereits jetzt ansehnlichen Länge ist dieser Text UNDER CONSTRUCTION. Es ist beabsichtigt, jeden in Berlin verorteten Vampir (also mindestens alle Ancillae und jene Neonaten, die mit Berliner Hintergrund angelegt wurden) hier mindestens 1x zu nennen, um auch in Zukunft weitere Verlinkungen bauen und ein halbwegs gemeinsames „Gedächtnis“ der Domänenbewohner zu schaffen. Wie gesagt darf und SOLL dieses gerne Abweichungen haben, ein „Faktenbüffeln“ ist also unnötig. Das Folgende dient der Inspiration und der zeitlichen Orientierung. Wenn du konkrete Wünsche hast, wo und in welchem Kontext dein Charakter erwähnt werden soll, so teil das der SL bitte mit. Der Inhalt des Textes hier „darf inplay gewusst“ und im Spiel verwendet werden (nicht als Copy + Paste und nicht als verschriftlichtes Inplay-Historien-Dokument, sondern im Sinne von Chsrakerhintergrund).   

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Berlins Anfänge verblassen im Nebel der Ewigkeit.

Verloren in der Streusandbüchse der Mark Brandenburg, fern jenseits der Elbe, auf blutgetränktem Slawenboden, gab es sehr lange nur spärliche Besiedelung – und was existierte, löschten Seuchen oder durch die Mark marschierende Söldnerheere nur allzu bald wieder aus. Sofern etwas Untotes zu jener Zeit im Land zwischen Spree und Havel existierte, waren es wohl Unstete, wandernde Vampire zwischen den Menschensiedlungen.

Requiem

Kral und Kruwe

In Berlin zirkulieren bis heute Geschichten um zwei Vampire, die „schon immer“ das Land des Bären ihr Eigen nannten: Ob der slawische Urfürst Berlins, der Kral, oder sein vermutlich dem Zirkel angehörender Berater und Zeichendeuter, der Kruwe, je existierten, ist trotzdem in keinster Weise nicht gesichert.

Nicht einmal durch das alljährliche Spektakel eines angeblich vom Zirkel aus der Starre gerufenen Ahnherren, der durch einen Ritus besänftigt und durch das Blut eines Vampirs gefüttert werden muss, um sich erneut in Frieden und Schlaf zu begeben.   

Gewiss: Der Ahnherr existiert, und er ist wohl von großer Macht, wie sein Mal des Jägers zeigt. Nur ob er tatsächlich aus vorchristlicher Zeit stammt, ob er wie behauptet ein Ventrue ist, ob er mit dem legendären Kral identisch ist, an all dem und Vielem mehr gibt es speziell unter den Jüngeren der Domäne einigen Zweifel:

Zu perfekt passt dieser Schwarze Mann als Drohung in jede Ermahnung, nur ja den Frieden Berlins zu wahren und sich gegen jede Veränderung zu stemmen. Denn, so die Mahnenden:

Würde der Kral einmal den Eindruck gewinnen, Berlin sei in Aufruhr oder es sei irgendetwas anders als er es gewohnt ist, er würde über die Vampire Berlins herfallen und sie austrinken.

So, wie er es – irgendwann – schon einmal getan haben soll.

Requiem

Um 1700 – Die Domäne Berlin entsteht

Während links der Elbe schon Reiche und große Städte entstanden, blieb das Land des heutigen Berlin eine unwegsame Wildnis mit kleinen Streusiedelungen und irgendwann einer recht erbärmlichen Residenz (was man freilich niemals gegenüber einem Vampir der Gloria Noctem erwähnen sollte).

Erst 1710 wurde durch eine erste Zusammenlegung der Ortschaften Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt die Haupt- und Residenzstadt Berlin mit 50.000 Einwohnern gebildet. 

Es gibt in Berlin eine gemeinhin akzeptierte Vorstellung, dass ungefähr zu dieser Zeit erstmalig eine nennenswerte Vampirpopulation in Berlin bzw. dessen näherem Umland ansässig wurde, und dass dieser erste Danse Macabre der jungen Domäne vor allem durch zwei Vampire des Invictus und deren jeweilige Brut beherrscht wurde:

Der Daeva Midas begründete zu Berlin das Haus Chrysos, welches zunächst das bestimmende Haus innerhalb des Invictus wurde, ehe es später – über die Direktorin Charlotte – zum weiterhin bestimmenden Haus des Ersten Magistrats wurde. Oder zumindest stellen es die Chrysoi, die Daeva jenes Hauses, gerne so dar.

Angehörige des Blutes Ventrue verweisen dem gegenüber gerne darauf, dass der Erste Fürst Berlins natürlich jener Ventrue-Ahn war, der heute gemeinhin nur noch als der Kral bekannt ist, und dass aus dessen Blut das Haus Nazyma hervorging. 

Es kursieren einige Geschichten, wonach Midas als Sendbote eines größeren und älteren Invictushofes in die preußische Residenz ging und er in Folge den Kral oder das an seiner Statt herrschende Kind für den Ersten Stand gewann. Ventrue des Hauses Nazyma vertreten hingegen in der Tendenz eher die Ansicht, der Kral sei aufgrund seiner ewig währenden Herrschaft über das Land an Spree und Havel „von Natur aus“ Invictus, und dieser Umstand sei im 18. Jahrhundert höchstens kodifiziert worden.

Angehörige des Zirkels der Mutter fragen sich mit einigem Recht, welche Rolle der alten Schlangenkreis in jenen Nächten gespielt haben mag, war der Kral seinem Weggefährten und ersten des Zirkels, dem Kruwe, doch offenbar sehr gewogen.

Und Vampire aller Geblüte außer eben den Daeva und Ventrue teilen eine gewisse Passion dafür, die Spuren ihres Clanes in den frühen Nächten der Domäne zu finden – haben diese je existiert, wurden sie offenbar äußerst gründlich verwischt und dem Vergessen überantwortet.

Um 1750 – Berlin wird zur Großstadt

Mit der Thronbesteigung Friedrichs des Großen 1740 beginnt in Berlin ein umfassender und rasanter Wandel: Bis 1750 verdoppelt sich Berlins Größe und Einwohnerzahl auf 100.000 Einwohnern, so wird die Stadt in der märkischen Provinz zur größten Stadt Deutschlands und zur sechstgrößten Stadt Europas. Parallel wird Berlin unter der Herrschaft Friedrichs II. zu einem Zentrum der Aufklärung. 

Obwohl es noch mehr als 100 Jahre dauern wird, ehe sich der Wahre Invictus in Form der Gloria Noctem aus der aktiven Herrschaft über die Domäne Berlin zurückziehen wird, liegt im rasanten Wandel der sterblichen Gesellschaft ab Mitte des 18. Jahrhunderts der Urkeim jener Entwicklung.  

Die rasch wachsende Stadt schafft einen Reichtum an Blut, der rasch neue Vampire nach Berlin und umliegende Orte wie die Fürstenresidenz Potsdam, das wohlhabende Charlottenburg oder das befestigte Spandau lockt. Zugleich werden ab 1750 Menschen zu Vampiren erschaffen, die für den Geist der Aufklärung schwärmen bzw. später sogar in ihm groß geworden sind. 

Es gibt einige Geschichten darüber, wie der junge Berliner Hof der Kinder der Nacht auf diesen Wandel reagierte – und das völlige Fehlen von Erzählungen um den Kampf zwischen neu zugezogenen Vampiren und Alteingesessenen ist eigentlich bereits Geschichte genug: Durch die Macht der verbündeten Häuser Chrysos und Nazyma sowie ein denkbares, ja, wahrscheinliches Bündnis von Gloria Noctem und Schlangenkreis verteidigen die Anverwandten Berlins sich noch lange erfolgreich gegen die überwiegend unorganisiert und einzeln nach Berlin drängenden Neonaten anderer Bünde und Kabalen.

In der Erinnerung der wenigen, welche diese Glorreichen Nächte als junge Vampire erlebt haben, verklärt sich der Blick zur niemals wieder erfüllbaren Sehnsucht: Die in Berlin neu entstehenden Abendvergnügungen wie Theater und Oper, der Reichtum durch das Weiße Gold des Porzellans, die glorreichen Neubauten am 1688 neu angelegten Gendarmenmarkt, auch die Berliner Brennordnung, die zur Verbesserung der Beleuchtung der Berliner Straßen führen sollte, all dies schuf eine Pracht, welche zuvor schlicht unbekannt, ja, unvorstellbar war.

Die bereits damals älteren Vampire, freilich, fühlten sich gestört von soviel Umtriebigkeit und Lärm – und während sich die Reviere der Gloria Noctem in den folgenden Jahrzehnten langsam aus den lärmenden Zentren von Berlin und ebenso der Fürstenresidenz Potsdam gen Spandau zurückzogen, wurden die östlichen Reviere bis zu den Müggelbergen als Kralspacht betrachtet, die alleine dem Urfürsten der Domäne und, womöglich, dem Schlangenkreis des Kruwe vorbehalten sein sollten. 

Revolution und Reform

Die Mitte des 18. Jahrhunderts begonnenen Umwälzungen setzen sich mit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms II., dem Siebenjährigen Krieg, der Französischen Revolution von 1789, deren Wiederhall im aufklärerischen Berlin und dann den Napoleonischen Kriegen 1805–1810  fort. Parallel verdoppelt sich die Bevölkerung der Stadt bis 1820 erneut auf 200.000 Einwohner und bis 1845 erneut auf über 400.000.

Berlin ist trotz seiner abgelegenen Lage längst kein Provinzkaff mehr, sondern ist Thema in den Metropolen Europas und der Welt.

Die Industrialisierung führt überall nicht nur zu einer massiven Ballung der Herden in den Städten, sondern auch zu einer raschen Vermehrung ihrer Jäger. Die satten Pfründe der Großstädte wecken Begehrlichkeiten, Vampire sitzen auf einmal viel näher aufeinander, als sie es „von Natur aus“ tun, es müssen dringend neue Wege gefunden werden, wie Konflikte gelöst oder die bösen Feinde gnadenlos vernichtet werden kann, und all das führt zum Aufstieg der Bünde – und allen voran: der Carthianischen Bewegung – und einen neuen Danse Macabre, mit dem der Wahre Invictus Berlins immer weniger zu tun haben möchte.

In der Erinnerung der meisten Ancillae war das 19. Jahrhundert in Berlin geprägt vom ewigen Ringen der Zuströmenden gegen die Eingesessenen, von Zwist und Blutvergießen und natürlich auch von der Erschaffung neuer Vampire, die als Schergen oder Sendboten dafür sorgen sollten, ihren Herren und Erschaffern die sehnsuchtsvoll geforderte Ruhe zu verschaffen.

Betrachtet man es aus dem rechten Winkel, fußen eigentlich die meisten Entstehungsgeschichten der heute lebenden Ancillae auf der damaligen Notwendigkeit für die Erschaffer, Diener und Werkzeuge im Ringen gegen andere Vampire zu haben. Einige Ancillae sind äußerst stolz darauf, in solchem Feuer zu einer geraden (oder verborgenen) Klinge geschmiedet worden zu sein, nicht zuletzt, weil SIE – anders als mancher Neonate und gar Ancilla jener Nächte, der von größerer Macht und Arroganz oder edlerer Abstammung war – überlebt haben.

Was erdreisten sich die Neugeborenen der modernen Nächte, die die Entbehrungen und das Gemetzel, die Demütigung, den strengen Gehorsam, die drakonischen Strafen jener Nächte nie erleben mussten – nicht als Mensch, der heute eh verzärtelt ist und in der Onanie seines „Individuums“ und der „Selbstverwirklichung“ schwelgt, noch als Vampir, dem heute alles in den Rachen geschleudert wird – sich zu beklagen?

Die Konflikte des 19. Jahrhunderts waren auch in Berlin zu zahlreich, um sich an jeden einzelnen davon erinnern zu können. Wohl darum gibt es wenige konkrete Erzählungen aus jener Zeit, und fragt man einen Ancilla nach Namen, Gesichtern, Erinnerungen an jene Zugereisten, Konkurrenten, Fremden, die neu entstehenden und ausgetanen Kabalen, so blieb doch wohl meist nichts zurück, sind nur noch das Echo eines fernen Rauschens und Rasens. 

Eines aber steht fest: Dass die Gloria Noctem des Ringens müde wurde. Mag sein, dass sie erkannte, Berlin auf lange Sicht nicht länger halten zu können, mag sein, dass sie bis heute überhaupt nicht wahrnimmt, wie verloren und verschwunden ihre Herrschaft ist – in jedem Fall entstand irgendwann zwischen der Mitte des 19. und dem Morgenrot des 20. Jahrhunderts aus der informellen Nachtgesellschaft des „Salon Cercienne“ ein Kreis Gleichgesinnter, die eine neue Gesellschaftsordnung für Berlin finden und durch diese einen dauerhaften Frieden in der Domäne erreichen wollten. Jene Kerzianer waren inspiriert von den Erzählungen aus anderen europäischen Domänen, wo junge Vampire die Macht übernehmen und aus den neuen Ideen der sterblichen Politik Lösungen auch für die beinernen Höfe der Toten formten. 

Nicht nur zufällig waren diese Kerzianer der ersten Stunde genau die Neonaten des Hauses Chrysos, die zum Zwecke der Friedenssicherung in Berlin erschaffen worden waren und die nun das Alter erreichten, da sie zum Ancilla wurden.

 

Goldene Jahre

In den Folgejahren und wächst die Einwohnerzahl Berlins unter dem Eindruck der Industrialisierung weiter massiv an: 1861 ist es eineMillion, 1905 sind es bereits zwei, durch Zusammenlegung zahlreicher Orte zu „Groß-Berlin“ am 1. Oktober 1920 werden es sprunghaft 3,9 Millionen und damit mehr, als Berlin selbst heute besitzt (1942 werden es 4,5 Millionen sein). 

Bis heute gilt der 1. Oktober 1920 als die offizielle Geburtsstunde der Domäne Groß-Berlin und als der Zeitpunkt, ab dem der Erste Magistrat endgültig und offiziell die Kontrolle über Berlin ausübt.

Doch noch etwas verändert das Leben für die Kinder der Nacht: ab 1826 erhellen Gaslaternen die Stadt, ab 1900 erobert das elektrische Licht das Dunkel, zunächst zaghaft, dann mit einem Male golden und grell.

Es gelingt dem Ersten Magistrat der Domäne trotz zahlreicher Konflikte, den Frieden in der Domäne zu erhalten. Nicht, indem Einreisende gejagt und vernichtet oder schreiend eingemauert werden (wie manche Gruselgeschichte behauptet), sondern indem eine kontrollierte Aufnahme der Zureisenden erfolgt, die im Zuge mehrerer Reformen des Magistrates zu Eignern der Domäne und somit Mitverantwortlichen an Wohl und Weh der Stadt gemacht werden.

Zwar bleibt nach der Auffassung jüngerer oder unruhiger Vampire der „wahrhaft revolutionäre, große Wurf“ aus, auch verliert sich der Anspruch einer Herrschaft durch Verfassung irgendwann im Gemauschel um Formulierungen und einer Wandlung Berlins zum Besitz der Vielen, der eher unternehmerisch denn politisch verwaltet sein will – aber das Ergebnis, dass der Erste Magistrat zum bestimmenden Faktor des Danse Macabre im 20. Jahrhundert wird, lässt sich schwer bestreiten.

Mit einer Mischung aus Versprechen, Verpflichtung und ja, natürlich auch Gewalt gelingt es dem Ersten Magistrat gemeinsam mit den anderen ordentlichen Kabalen der Stadt (von denen, leider leider, keine mehr zu existieren scheint außer die in jüngster Zeit gegründeten), ein Equilibrium zu schaffen, ein Gleichgewicht der Akteure und Interessen, eine wechselseitige Abhängigkeit, die zur Stabilisierung der Ordnung führen MUSS, ohne völlig zu erstarren (naja, über Letzteres mögen viele diskutieren wollen).

In den Goldenen Zwanzigern ist das Goldene Daeva-Haus des Midas im Zenit seiner Macht und Herrlichkeit – oder die Chrysoi behaupten das zumindest heute, und es gibt leider kaum Überlebende, die etwas anderes sagen könnten. Oder wollten. Die Vampire Berlins schwelgen im Blut, den Vergnügungen, den Verlockungen fremden Blutes, fremder Musik, und saugen begierig alles in sich auf.

Dass irgendwann Nazis durch die Straßen marschieren, nehmen die Vampire nicht wahr, es tangiert sie auch nicht oder wenn, dann nur auf süßeste Weise, macht doch die Verrohung der Gesellschaft und das akzeptierte „Verschwinden“ so vieler die Jagd geradezu lächerlich einfach. Haben die Vampire jener Nächte sich bereichert, haben sie in Ghettos oder gar KZs gejagt, im Flammenschein brennender Bücher getanzt?

Nun, du bist Vampir. Sag du es mir.

 

In den Ruinen von Berlin

Die Geschichten zahlloser Vampire und Kabalen endeten in den Bombennächten des zweiten Weltkriegs. Selbst jene, die sich tief in Bunkern verkrochen, fielen dem Feuer zum Opfer, wenn russische Soldaten mit Flammenwerfer jene Nester ausbrannten. 

Und doch: Im Gegensatz zu manch anderer Kabale gelang es dem Ersten Magistrat, weitgehend unbeschadet den Krieg zu überstehen. Allerdings dauerte es eine ganze Weile, bis in der verwüsteten Stadt wieder so etwas Ähnliches wie eine Gesellschaft der Toten entstand.

In jene Nächte fällt die Ankunft des Mekhet Gideon, eines Wanderpredigers der Lancea Sancta. Da eine frühere, eher prunkhaft-kirchlich geprägte Sanktumskabale in den Flammen verbrannt war, wurden seine Versammlungen der Gläubigen zum Heiligen Sabbat der neue Anker für alle, die nach dem Inferno einen neuen Weg in ihrem Requiem suchten – so wie der Ventrue Judas Corvinius, ein früherer Gesandter am Hofe der Gloria Noctem. Aus diesen Versammlungen entstand die Vox Tenebris als neue Kabale der Heiligen.

Die geteilte Stadt

Die Teilung der Stadt traf die Vampire ebenso unvorbereitet wie die meisten Sterblichen, wenn nicht sogar noch mehr. Die Gloria Noctem, die sich Erzählungen zufolge tief unter die Zitadelle Spandau zurückgezogen hatte (falls sie sich nicht ohnehin dort in Starre gelegt hat), war in Westberlin eingesperrt, die Kralspacht lag wie eh im Osten der Stadt und die neue Mauer schnitt mitten durch das vom Ersten Magistrat verwaltete Gebiet.

Da sich der Erste Magistrat aber im Westen aufhielt und dort auch die wichtigsten erhaltenen Besitzungen hatte, blieb ihm kaum etwas anders übrig, als die Gebiete im Osten zunächst verloren zu geben. Es dauerte allerdings nicht lang, bis Wege der Kommunikation zwischen den Anverwandten im Westen und Osten gefunden wurden, und welche Abkünfte dort auch immer getroffen wurden, jedenfalls wurde Ostberlin von dem Gangrel Rapak offenbar entweder mit Duldung oder sogar im Auftrag des Ersten Magistrats beherrscht, dem dieser sich im Zuge der Wiedervereinigung dann unter Aufgabe seiner Ansprüche auf den Thron der Oststadt auch anschloss.

In Westberlin setzte der Erste Magistrat in den Jahren der Teilung seine bewährte Regentschaft fort, lenkte die stark gesunkene Zahl der Neuankömmlinge in geordnete Bahnen (bzw. verwies sie der Domäne oder sorgte auf andere Art dafür, dass heute keiner mehr über sie redet) und sorgte durch das Prinzip der Anteilseignerschaft an der Domäne für eine Balance zwischen jenen Fraktionen und Eignern, die man weder ignorieren noch dem Verschwinden übereignen konnte.

Wiedervereinigung und Jahrtausendwechsel

Mit der Wiedervereinigung und der danach wachsenden Strahlkraft der Metropole Berlin nahm auch die Zahl der nach Berlin einreisenden Vampire wieder zu. Alte Konflikte brachen wieder aus, nur die Akteure waren andere. 

Insbesondere das Westberlin des Ersten Magistrats war keine Mauerstadt mehr, dessen wenige Einfallstore sich relativ gut überwachen und beherrschen ließen. Eine der ersten Kabalen, die sich nach dem Fall der Mauer in Berlin neu gründeten, war die Zirkelkabale der Zorien. Ob deren Gründung um 1990 in einem direkten Zusammenhang mit der Erkenntnis stand, dass der alte Schlangenkreis offenbar tatsächlich – mit Ausnahme eines isoliert im Osten hausenden Gangrel-Ahnen namens Gram – im Zweiten Weltkrieg zerstört und auch in Ostberlin nicht mehr aufgetreten war, scheint naheliegend, wird aber von den Zorien bestritten. 

Zur Beherrschung des zunehmend unkontrollierten Zuzugs partysüchtiger Raubtiere speziell im Umfeld der Love Parade und anderer blutlüsterner Attraktionen der vereinten Stadt ersann die Direktorin die Embassy als Schlüsselwächter und Eingangstor der Domäne (oder die Kabale bildete sich selbst und trat an die Direktorin mit einem Angebot heran, dass diese nicht ablehnen konnte, je nachdem, wen man fragt). 

 

2006 bis 2016 – Die vergangene Dekade

Mit Hilfe der Embassy stabilisierte sich die Domäne Berlin trotz verschiedener Krisen, Umwälzungen und zum Teil gewalttätiger Konflikte mit neu gebildeten und ebenso rasch in Asche verwehten Kabalen. 

Irgendwann schien die Stimme der Sanktumskabale der gemäßigten und eher introvertiert agierenden Vox Tenebris zu verstummen, was vor dem Hintergrund des Machtgleichgewichts des Equilibriums durchaus zwiespältig zu sehen ist: So gab es Mitte der 2000er vereinzelte Versuche eher missionarischer und templerischer organisierter Kirchenkabale, das offenkundige „Machtvakuum“ auf Seiten der Lancea Sancta in Berlin auszufüllen und eine neue, starke, prächtige und bluttäuferische Kirche des Hl. Longinus zu etablieren. Bisher, zumindest, scheiterten solche Versuche langfristig aber an kurzen, dafür umso heißer BRENNENDEN Konflikten zwischen den eifrigsten Paladinen und entweder dem schnell in der Stadt etablierten Zirkel der Zorien oder dem vehement säkularen Ersten Magistrat. Wohl auch deshalb ist man geneigt, die Bedeutung der Vox Tenebris für die Domäne hoch- und ihrem Rat Judas Corvinius einen Sitz in selbigem freizuhalten, selbst wenn sich dahinter wenig Wahrheit verbergen mag.

2017 – Ein blutiges Vorspiel

Im Februar 2017 gründen sich fünf Vampire aus der Embassy aus und bilden „Die Weisen des Lichts“ – schwerlich die einzige Kabalengründung der jüngeren Vergangenheit, aber unter dem Gesetz der Domäne, nachdem eine anerkannte, ordentliche Kabale mindestens fünf feste Mitglieder und eine stabile Struktur haben muss, doch nur eine von sehr wenigen, denen die offizielle Anerkennung zuteil und ein Sitz im Berliner Rat eingeräumt wird.

Anführer der Gruppe und somit deren Ratsvertreter ist der britischstämmige Ventrue-Ancilla Cornelius Cobalt, der sich betreffs der Agenda der Weisen allerdings ebenso bedeckt hält wie der Rest der Kabale. Eine Weile ringen die Vampire Berlins darum, ob zum Prinzip der Verlässlichkeit und der festen Gefügtheit als ordentliche Kabale nicht auf eine Verpflichtung zur Offenheit gehört, dies wird aber durch die Eignerversammlung der Domäne letztlich verneint.

Im engeren Sinn sei nicht einmal eine gemeinsame Vision oder das Bekenntnis zu irgendeiner politischen oder geistlichen Richtung zu verlangen, eine Kabale könne auch ein reiner Zweckbund völlig verschiedener Einzelvampire sein, solange diese verlässliche Geschäfte abschließen, ihre Schulden bezahlen, den Frieden wahren und das Gesetz der Domäne achten.

Diese Beurteilung und ein bereits seit längerem schwelender Konflikt um die Politik des Ersten Magistrats bewegen den jungen Chrysoi Nero dazu, im Juli 2017 die Gründung einer eigenen Kabale zu versuchen. Seiner Einladung an die zahlreicher werdenden Autarki der Domäne kommen durchaus einige Interessierte nach, die beobachtende bis spottende Anwesenheit der Direktorin und des Sheriffs Melchior aber verhindert den nötigen Zusammenschluss (tatsächlich erklärt sich kein einziger Autarkis bereit, sich Neros Kabalenidee anzuschließen (er wurde Gerüchten zufolge sogar beim vorzeitigen Verlassen seiner eigenen Ladung von einem Autarkis angegriffen), und er ist eine Weile ein willkommenes Ziel für Spott und zieht sich zurück). 

 

Das Amüsement über die Torheiten des Kindes der Direktorin weicht im August 2017 großer Sorge, als ein Maskeradebruch die Domäne erschüttert. Was genau passiert ist, bleibt den meisten unklar – in den Zeitungen ist nur von einem Feuer im Puppentheater Berlin in Charlottenburg die Rede – und viele Vampire erfahren überhaupt nur durch bohrende Nachfragen des Sheriffs oder anderer Magistrate, dass es einen Vorfall gegeben hat. 

Die Situation verschärft sich im September 2017 weiter, als Gerüchte über angeblich in Berlin umgehende Vampirjäger die Runde machen. Die Vampire verkriechen sich, der Totentanz kommt zum Erliegen. Man erzählt sich von Vampiren, die angeblich durch Jäger geascht wurden, bis praktisch jeder mindestens einmal für tot gehalten wird. 

Schließlich wird durch den Ersten Magistrat proklamiert, dass die Weisen des Lichts als Maskeradebrecher erkannt und in außerordentlicher Sitzung abgeurteilt wurden – durchaus NICHT der Üblichkeit und dem Gesetz der Domäne entsprechend, denn die Kabale war, immerhin, anerkannt, hatte Ratssitz und alle Mitglieder der Weisen waren Eigner der Domäne Berlin. Mithin: Der Üblichkeit nach hätte es eine öffentliche Gerichtssitzung geben müssen – aber besondere Umstände können unter den Kindern der Nacht bekanntlich jederzeit besondere Umstände rechtfertigen (zudem die Weisen alles andere als beliebt waren und sich die Jagdsituation tatsächlich gebessert hat). Ein aschener Geschmack, dass die vielbeschrienen Eigner-Rechte übergangen werden können, bleibt dennoch, und jeder Vampir wird für sich überlegen müssen, welche Regung in ihm die Oberhand hat.

 

2018 – Das Spiel beginnt

Nachdem sich die Situation die Maskeradebrüche betreffend mit Vernichtung der (angeblichen) Verantwortlichen und dem schrittweisen Verschwinden der Vampirjäger wieder beruhigt, ruft der Erste Magistrat die Kinder der Nacht Berlins am 24. Februar 2018 zur ersten Versammlung des Hofes seit vielen Monaten zusammen.

 

Neugierig, wie es weitergeht? Schreib deine eigene Geschichte in das Requiem Berlins.

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