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1991 erschien beim amerikanischen Verlag White Wolf das Rollenspiel Vampire: The Masquerade (VtM). Und es veränderte die Welt: Waren die Hauptfiguren von Rollenspielen zuvor Helden, deren überwiegende Aufgabe im Erschlagen von Monstern und dem Raffen von Schätzen bestand, rückten nun erstmals Antihelden in einem schauerromantischen und von Intrigen erstickten Setting in den Fokus der Erzählung.

Schnell entstand der Wunsch, das mehr auf Dialog und soziale Interaktion ausgerichtete Spiel vom Tisch zu befreien und es live auszukosten – eine Regung, der White Wolf 1993 – ebenfalls einzigartig zu jener Zeit – mit einer Live-Adaption der Tischregeln namens „Mind’s Eye Theatre“ (MET) nachkam.

Dieses erste Live-Regelwerk löste zusammen mit dem Zeitgeist des ausklingenden 20. Jahrhunderts einen ebenso unerwarteten wie umfassenden Boom aus: Für ein paar blutige Jahre gab es eigentlich nichts Cooleres in der Rollenspielszene, als nachts als Vampir umzugehen.

Die Berliner Runde Midnight Dance (MD) startete als eine der ersten Vampire Live Gruppen in Deutschland: Beginnend bei einer Halloweenparty im Freundeskreis 1993 über erste Gehversuche im folgenden Frühjahr erreichte die Gruppe 1995 sagenhafte 70 Spieler, die jede Woche(!) zum Spiel zusammenkamen und sich oft noch zusätzlich zu Clantreffen und anderen Begegnungen verabredeten.

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Im intensiven Spiel stellte sich schnell heraus, dass die MET Regeln mit ihrer statischen und eher abstrakten Konfliktlösung langfristig ungeeignet sind, ein unmittelbares und intensives Erlebnis im Sinne klassischer (Fantasy) LARPs zu erschaffen.

Früh begannen daher bei Midnight Dance und vielen anderen Gruppen die Arbeiten an jeweils eigenen Regelwerken, welche die Gruppen natürlich bei gegenseitigen Besuchen auch teilten und weitergaben.

Das dabei für MD entstandene Regelwerk Verdammt in Ewigkeit (ViE) war somit nicht nur lange Zeit das Letzte in einer Serie sehr zahlreicher Regelwerke bei Midnight Dance, sondern es war und ist auch ein Substrat aller Irrwege und brillanten Ideen der deutschen Vampire Live Szene insgesamt.

Anders als die ersten Live-Regelwerke von Midnight Dance versuchte ViE nicht, die Tischrollenspielregeln von Vampire: Die Maskerade nahtlos ins Live-Rollenspiel zu übertragen. Stattdessen ist ViE ein direkt für ein dynamisches und spannendes Vampire LARP entwickeltes Regelwerk, das nur dort auf Prinzipien von Vampire: Die Maskerade beruht, wo dies entweder problemlos möglich ist oder einen Gewinn für das Live-Rollenspiel darstellt.

gall-ball01Andere Elemente – wie ständig neu zu kombinierende Pools aus Attributen und Fertigkeiten sowie das Konzept von Attribut und Fertigkeit selbst – gehören an den Spieltisch und stören im Live-Rollenspiel nur: Da jede Regel vom direkten Spielerlebnis ablenkt, müssen im LARP alle Regeln leicht merkbar, sofort durch Mitspieler überprüfbar und ebenso flüssig wie dezent in der Abwicklung sein.

Gerade deshalb wurde das gängige LARP Prinzip „Du kannst, was du glaubhaft im Spiel darstellen kannst“ das tragende Prinzip des ViE Regelwerkes, das zunächst von Maskerade auf das neue Requiem-Spiel von White Wolf adaptiert wurde, um dann für eine kurzfristige Rückkehr zu Maskerade in der wohl optisch schönsten Aufmachung bei MD zurückzukehren und hernach mehrfach für ein SL-loses Requiemspiel modifiziert zu werden.

Unser am 24. Februar 2018 neu beginnendes Vampire:Requiem Spiel basiert auf einem neu geschaffenen Regelwerk, das in den vergangenen 6 Monaten entstand. Aufbauend auf dem reichlich in der Praxis erprobten ViE-System von Andreas AAS Schroth entwickelte Moritz Lehr zahlreiche weitere Vereinfachungen, Umgewichtungen und zugleich zusätzliche Regelmodule geschaffen, die vom strategischen Machtspieler über den Konfrontations- und den Charakterdarsteller bis zum reinen Atmosphärespieler zahlreiche Möglichkeiten bieten, das Meiste aus dem Spiel herauszuholen.

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Manche noch beim zurückliegenden ersten Stammtisch im November 2017 angerissenen Ideen und Ansätze mussten wieder aufgegeben und zumindest nach hinten geschoben werden, da sich das Ineinandergreifen in andere Regelaspekte als zu komplex oder auch zu unbalanciert erwies.

Mit dem in den kommenden Tagen hochladenden Regelwerk IN AETERNAM / LARP AFTER DEATH beginnt zugleich der BETATEST der Regeln. Denn jedes Regelwerk muss erst die Begegnung mit der Spielwirklichkeit überleben, und wir können nicht jede Art der Anwendung – oder auch Versuch des Missbrauchs – vorausahnen.

BETA heißt dabei nur, dass wir nach etwa einem Jahr die Regeln anhand eures Feedbacks bewerten, prüfen und so nötig nochmal nachjustieren werden. Das Regelwerk besitzt auch in der Betaphase uneingeschränkte Gültigkeit – jedoch behalten wir uns vor, etwaige „quick fixes“ vorzunehmen und diese im Forum zu veröffentlichen, bis sie (in Form eines „Patches“) in die Hauptregeln integriert werden können.

Insofern sich dadurch Kriterien ändern sollten, die euch zu einer bestimmten Punkteverteilung bei der Charaktererschaffung oder Steigerung bewogen haben, wird es immer möglich sein, in Absprache mit der Orga nachträgliche Änderungen vorzunehmen.

Wir freuen uns auf das bald beginnende Spiel!

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